Im Frühjahr 2010 habe ich mein neues Werkstatt-Atelier im Leipziger Tapetenwerk bezogen: übergangsweise zunächst einen fensterlosen Raum, dann, im Haus B, einen wunderbar kraftvollen Raum mit hohen Decken und einem großen Fenster mit präsent-stetigem Nordlicht. Die Werkstatt atmet Geschichte, zeigt an den Wänden Narben, offene Wunden, ganz verschiedene Spuren aus 130 Jahren und manch unversöhnliche Putzspur seiner Vornutzer. Von Anfang an mochte ich die Atmosphäre darin. In den alten Gebäuden einer Tapetenfabrik aus dem späten 19. Jahrhundert hat sich zudem ein engagiertes Häuflein von Künstlern, Handwerkern und Galeristen, Architekten, unterschiedlichen Gewerken aus dem Buchgewerbe und anderen Gewerbetreibenden vom Yogastudio bis zu kleinen Modelabels etabliert. Auch das Rekonstruktionskonzept des Tapetenwerks passt: Kein SchickiMickiTrash, stattdessen Renovierung mit Augenmaß und Blick für die Kontinuitäten und Brüche in der wechselvollen Historie der ehrwürdigen Fabrik, worin noch bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts Tapeten hergestellt wurden. Da wird nichts übereilt übertüncht oder muss leichtfertig Neuem weichen. Vielmehr wird zusammen überlegt, was wie wo zum großen Ganzen beitragen kann, erst dann werden die Ideen umgesetzt. Ein Ort, der seine Kraft aus der Aufbruchstimmung all seiner Träger zieht – Eigner, Mitarbeiter wie auch Mieter, Besucher ebenso wie Ausstellende. Längst hat sich das Tapetenwerk neben der Baumwollspinnerei zu dem Ort der Galerien, Ateliers und Kunstwerkstätten in Leipzig aufgeschwungen. Nicht umsonst finden Frühjahrsrundgang und Herbstrundgang an beiden Orten parallel statt. Von eben dieser Atmosphäre ist die Serie “Tapetenwerk” angestoßen. Ich habe sie im Frühsommer 2010 begonnen. Das hier gezeigte Blatt ist die Nr. 1.

Tapetenwerk I”, Mischtechnik auf Aquarellpapier, 2010, Format 18 x 30 cm, gerahmt mit Passepartout im Holzrahmen 32 x 42 cm.

VERKAUFT 310,00 EUR zzgl. 7,00 EUR versicherter Versand