
Vor einigen Jahren habe ich Ostern auf Kreta verbracht. In Kastelli-Kissamos, einem kleinen Fischerstädtchen westlich von Chania. Orthodoxe Feste sind ja, egal wo sie gefeiert werden, reicher in Ausschmückung und mit Ritualen gefüllter Tradition als in unseren Breiten. Die Fasten- und Passionszeit ist länger (strenger ohnehin), die Erwartung vor Ostern größer. Ostern ist nicht nur bedeutender als das Weihnachtsfest, in Griechenland ist es zudem das wichtigste Familienfest. Die Kinder und Kindeskinder reisen an – aus anderen Landesteilen und der ganzen Welt. Wer es sich leisten kann, schlachtet ein Lamm, hängt es zum Ausbluten in die Bäume, hat es hernach auf dem Grill oder am Drehspieß, sitzt mit Familie und Nachbarn zusammen, lädt Reisende wie mich ein. Armee und karitative Organisationen speisen Arme und Alte. – Am Gründonnerstag, dem letzten Abendmahl Christi mit seinen Jüngern, passiert eigentlich nichts besonderes. Die großen Prozessionen folgen erst am Karfreitag. Allerdings liegt schon am Donnerstag eine Spannung in der Luft, die mit Händen zu greifen ist. Musikgruppen üben für die Prozessionen, Häuser und Straßen werden geschmückt, Lichterketten aufgehängt, Frauen färben Eier rot – als Zeichen für das Blut Christi. Die Eier werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag, in der nullten Stunde, gegeneinander geschlagen. Ihr Inneres symbolisiert neues Leben. Erst da löst sich die Spannung vom Gründonnerstag auf. Menschen tragen brennende Kerzen nach Hause und wünschen sich – beinahe erleichtert – “chronia polla”, viele Jahre.
“Gründonnerstag” Mischtechnik auf Aquarellpapier, 2010, Format 18 x 30 cm, gerahmt mit Passepartout im Holzrahmen 32 x 42 cm.
230,00 EUR zzgl. 7,00 EUR versicherter Versand.
