Gebhardt ist nicht der Kölner Chorleiter Thomas Gebhardt, wenngleich die beiden neben dem Namen auch die Liebe zur Musik teilen. Ebenso nicht der gleichnamige Keeper des SV Südkirchen, der seinen Fußballverein erfolgreich in der 8. Bezirksliga hält, obwohl es auch hier eine gemeinsame Leidenschaft gibt. Das runde Leder nämlich, das final zwischen zwei Pfosten gehört. Gebhardt ist ebenfalls nicht identisch mit dem Heizungs- und Sanitärklempner Thomas Gebhardt in Einhausen bzw. dem namensgleichen Leipziger Pastor der Apostolischen Pfingstgemeinde, womit es sich bei Rohrbrüchen ebenso wenig lohnt ihn anzurufen wie in Dingen des Herrn.

Nein! Thomas Gebhardt ist Keramiker, Maler und freier Redakteur, Reporter und Buchautor. Auf dem Weg dahin war er unter anderem Reisender in eigener und fremder Sache, Kohlenträger, Museumsführer und Lektor, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Saisonkoch und Reiseexperte des 3. Programms im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen, zudem Dokumentar, Auslandskorrespondent und Kellner, Filmemacher, Erntehelfer und Redakteur bei verschiedenen Blättern, so beim Reise- und Kulturmagazin “Merian” und der Wochenzeitung “Die Zeit”.

Gebhardt wurde nach dem Abitur zunächst zum Soldaten gemacht, lernte währenddessen neben allerlei Paramilitärischem auch Einschüchterung, Bespitzelung und Staatswillkür kennen, studierte in Leipzig und musste sich alsbald als Landesverräter beschimpfen lassen, da er den Impuls nicht unterdrücken mochte, die Dinge beim Namen zu nennen und seine Meinung zu sagen. Nach Jahren des Zweifels und des Abschieds machte er sich dann auf die Suche nach einem Land, das auf Fragen und freie Meinungsäußerung nicht mit Bildungsverbot, Ausgrenzung vom öffentlichen Leben und Erpressung reagierte, und floh noch vor dem Mauerfall aus der DDR, in die er 1962 hinein geboren worden war. Dieser Schritt machte ihn ungewollt und semantisch unwahr zum Republikflüchtling, da er aus einer Republik beileibe nicht geflohen wäre.

Gebhardt stammt aus einer Kleinstadt in der Altmark, genauer aus der Wische. Eine betörend schöne Gegend: wald- und wiesenreich, mit fetten Böden gesegnet, von Flüssen und Flüsschen durchzogen, die der Elbe und damit dem Meer zustreben. Sie ist kraftvoll und weltfern zugleich, und dehnt sich unter einem häufig dramatisch nordischen Himmel überschaubar aus. Ein Zwischenland, nichts für den schnellen Blick – und gerade dadurch Transitland. Grenzerfahrungen spielten darin früh eine Rolle, nicht zuletzt weil die Grenze zur Bundesrepublik nur wenige Kilometer entfernt war. Gebhardts Heimat sind Hamburg, London und ein kleines Dorf am Westrand der Mecklenburgischen Seenplatte; und aktuell wieder Leipzig. Die andere Heimat sind Ton, Farben und Worte, Feuer und Flamme sowie die Dinge unter der Oberfläche und zwischen den Zeilen.

Gebhardt hatte (und hat) viele Lehrer; gute allemal. Peter O. Ebel, Helga Thiessen, Oliver Fahrni und Holger Schnitgerhans verdankt er am meisten. Er lernte in verschiedenen Werkstätten und Ateliers Mecklenburgs und bei workshops internationaler Künstler. Gebhardt hat zahlreiche Veröffentlichungen, so in Merian, Die Woche und Die Zeit, Geo, Der Feinschmecker oder Das Magazin und zeichnet als Redakteur bei einem knappen Dutzend Merian-Hefte verantwortlich, darunter Schottland, London, Berlin oder Leipzig.

Seine Reisebücher, zum Beispiel über Menorca, Kreta und Mecklenburg-Vorpommern, Malta oder die Französische Atlantikküste, erscheinen unter anderem bei Polyglott und Apa Guides, sie wurden bislang ins Englische und Niederländische übersetzt. Er stellte deutschlandweit in verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen aus.